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Inklusiv schreiben

Rechtschreibung: Fehler sind Helfer

Warum ist richtige Rechtschreibung und Zeichensetzung überhaupt wichtig?

Dafür gibt es zwei einfache Antworten und eine dritte, die etwas mit Vorbildern zu tun hat:

  1. Regeln dienen keinem Selbstzweck. Sie haben sich über die Zeit gebildet, damit wir einander in einer Sprache sprechen. Sie helfen also beim Verstehen.
  2. In einer Welt, in der Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren lesen, schreiben und rechnen lernen und dieses bis zum Alter von 18 Jahren ausdifferenzieren, werden bestimmte Grundfertigkeiten bei Erwachsenen vorausgesetzt.
  3. Unser Gehirn lernt mit allen Sinnen und meistens unbewusst. Je häufiger unsere Augen mit falschen Schreibweisen konfrontiert werden, umso mehr Regel- und Grammatikfachwissen benötigen wir, um uns durch unsere optischen Eindrücke nicht verunsichern zu lassen. Wir sind mit unseren Texten also Vorbilder für andere. Und daraus entsteht eine Verantwortung.

Was hat Rechtschreibung mit inklusiver Sprache zu tun?

Rechtschreibregeln und Zeichensetzung wurden nicht erfunden, um Menschen zu ärgern. Sie haben sich entwickelt und die gemeinsamen Regeln helfen dabei, Inhalte leichter, schneller und eindeutig zu verstehen.

Das bedeutet: Wenn Sie sich um Ihre Rechtschreibung kümmern, Ihr Verständnis für das deutsche Sprachsystem, also für Grammatik und Strukturen verbesseren, dann helfen Sie anderen, das Geschriebene zu verstehen.

Beispiele:

  • Er liebt sie nicht. Er liebt, sie nicht.
  • Er hat in Berlin liebe Genossen. Er hat in Berlin Liebe genossen.

Außerdem sind Sie – ob Sie wollen oder nicht – Vorbild. Wir lernen mit allen Sinnen, also auch mit unseren Augen. Und je öfter wir etwas richtig geschrieben sehen, um so leichter merken wir uns die richtige Schreibweise.

Tabuthema Rechtschreibfehler

Jemandem im beruflichen Umfeld zu sagen: Sie haben da einen Rechtschreibfehler! klingt wie ein Frontalangriff. Wenn schon, dann sagt man: Sie haben da einen kleinen Tippfehler. Das klingt weniger dramatisch. Aber selbst hier kann es passieren, dass das Gegenüber aufgebracht reagiert.

Warum? Weil die Erwartung da ist, richtig schreiben zu können. Das haben wir schließlich alle in der Grundschule gelernt. Das Problem nur: Wenn ich nicht akzeptiere, dass ich Fehler mache, habe ich keine Chance, etwas aus ihnen zu lernen! Das Tabu verhindert lernen und besser werden.

Fehler sind Lerngelegenheiten. Dumm ist nur, wer nichts aus ihnen lernt.

Rechtschreibung und Reputation

Dabei wirken nicht nur unsere Worte auf unser Image, auch unsere Schreibe hat ihre Wirkung. Einzelne Fehler verzeihen wir schnell. Sie machen menschlich. Schließlich passieren jedem von uns Tipp- und Flüchtigkeitsfehler. Aber wenn die Fehlerzahl sich häuft oder es sich um schwerwiegende Schreibfehler handelt, kippt die Wirkung:

  • So jemand will Profi sein?! Der*die kann ja nicht einmal richtig Deutsch.
  • Wer so viele Flüchtigkeitsfehler macht, arbeitet auch so: flüchtig, ungenau, fehlerhaft. Brauchen wir nicht.

Die gleiche Wirkung haben Sie übrigens, wenn es um Englisch oder eine andere Sprache geht: In einem Experiment testeten Julie Boland und Robin Queen von der University of Michigan die Reaktion auf Bewerbungen um ein WG-Zimmer. Eingebaut waren unterschiedliche Sorten von Fehlern. Je nach Typ reagierten die Auswertenden unterschiedlich, aber: Die Bewerber*innen mit Fehlern wurden durchweg schlechter bewertet als die ohne.

Bei häufigen, wiederholten oder groben Rechtschreib- und Grammatikfehlern werden wir misstrauisch. Wir ziehen im Geiste Intelligenzpunkte ab, halten die betreffende Person für wenig gebildet oder oder übertragen die Fehler auf den Charakter.

Egal ob auf Linkedin, Xing oder anderen Social-Media-Plattformen: Dort, wo Menschen ihr Personal Branding betreiben, wimmelt es leider auch von unfreiwilligen Branding-Momenten. Hier einige (anonymisierte) Beispiele:

Misstrauen: Viele Rechtschreibfehler machen die eigene Professionalität unglaubwürdig

Businesstext mit vielen R-Fehlern

Ob man Du oder du in der direkten Anrede groß oder klein schreibt, ist eine Frage des Stils, groß ist ein bisschen altmodischer, klein moderner. Richtig ist beides, aber sonst:

5 Fehler und ein fehlendes Wort in 1,5 Zeilen.

Offensichtlich schreibt hier jemand, der Menschen bei ihrer Marketing-Positionierung helfen möchte. Würden Sie diesem Menschen Ihre professionelle Kommunikation anvertrauen?

Komma-Detox macht Sätze unverständlich.

Rechtschreibung matters - Kommadetox

Nach der ersten Zeile waren offenbar die Kommas aufgebraucht. Der Rest bleibt Interpretation.

Auch für Anglizismen gelten deutsche Regeln.

Businesstext mit Anglizismus-Fehler

Es handelt sich um ein Nomen: das Onboarding. Anglizismen sind im Grunde deutsche Wörter mit englischem Migrationshintergrund.

Rechtschreibung und Reputatation im Videokurs

Dabei lassen sich Rechtschreibung, Zeichensetzung oder Grammatik verbessern. Und selbst die besten Profis machen Fehler. Voraussetzung ist, die eigene Unperfektheit zu akzeptieren.

Meistens sind es einige wenige Wissenslücken oder falsche Gewohnheiten. Oder es sind Schritte im Sprachwandel, wie etwa die explosionsartige Vermehrung von Anglizismen, die Unsicherheiten bereiten. Einmal identifiziert, lässt sich die eigene Schreibkompetenz schnell deutlich verbessern. Und das lohnt sich.

Gute Rechtschreibung für Ihren perfekten Online-Auftritt aus dem Kurs „Wie Rechtschreibung auf die Reputation einzahlt“ von Sigi Lieb

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Barrierearme und inklusive Sprache

Im Kontext meiner Arbeit für gendersensible Sprache biete ich auch Erweiterungen an, die sich mit (Un-)Verständlichkeit, Rechtschreibung und anderen Barrieren beschäftigen. Das Thema gendersensible, diskriminierungsarme und barrierefreie Kommunikation lädt uns ein, mehr über die schöne deutsche Sprache zu lernen und sie gekonnt, gezielt und kreativ einzusetzen – für eine bessere Kommunikation.

Sprechen Sie mich einfach an. In einem kostenlosen Erstgespräch klären wir, was ich für Sie tun kann.

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Bildquelle: Sigi Lieb, Screenshots anonymisiert aus dem Netz gefischt

Pronomen Diversity und Kommunikation, Gendern, Geschlecht und Gender, Rechtschreibung und inklusive Sprache, Sprache und Sprachwandel