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Diversity leben: mehr als Gender oder Hautfarbe

Diversity leben - interkulturelle Kompetenz trainierenUnternehmen schreiben sich Diversity auf die Fahne, haben Diversity-Konzepte und beschäftigen Diversity-Manager*innen. Manchmal nehmen sie dieses Konzept sehr ernst und es gelingt ihnen, Vielfalt in all ihren Facetten im Unternehmen zu fördern. Machmal ist Diversity kaum mehr als ein Lippenbekenntnis. Und dazwischen ist ein weites Feld.

Häufig wird Diversity darauf reduziert, mehr Frauen in Führungspositonen zu bringen. Manchmal spielen auch Hautfarben und Migrationshintergründe eine Rolle. Dabei ist Diversity leben viel mehr, als Menschen nach Kategorien in Schubladen zu sortieren. Eine so holzschnittartig verstanden Diversity verkehrt sich schnell in ihr Gegenteil.

Diversity: Versuch einer Definition

Diversity oder Diversität heißt zunächst Vielfalt. Heterogenität heißt Verschiedenheit im Gegensatz zu Homogenität, was Gleichheit bedeutet. Inklusion wiederum beschreibt das Einschließen, Einbeziehen von … im Kontext von Diversity zumeist von Menschen mit Behinderungen.

Diversity leben macht erfolgreich

Diverse Teams sind nicht deswegen erfolgreicher, weil Frauen etwas besser können als Männer oder weil die Hautfarbe eine Wirkung auf Intelligenz oder Freundlichkeit hat oder weil Rollstuhlfahrerinnen klüger sind. Sie sind erfolgreicher, weil sie mehr Perspektiven einbeziehen. Entscheidungen berücksichtigen mehr Aspekte und werden ausgewogener. Falsche Rollenzuweisungen und Kategorisierungen werden aufgebrochen und können so überwunden werden.

Um Diversity zu leben, müssen wir Vielfalt erkennen, zulassen, aushalten, wertschätzen. Und hier ist uns unser Gehirn gerne mal im Weg. Der alte Schlawiner liebt Kategorien. Deswegen arbeitet es so schnell und effizient. Oft ist das hilfreich. In Sachen Diversity ist dieser natürliche Kategorisierungsprozess des Gehirns aber oft hinderlich.

Diversity und kulturelle Prägung: Unconscious Bias erkennen

Viele dieser Muster und Kategorisierungen wirken unbewusst. Bestimmte Dinge unseres Alltags erscheinen uns so normal, dass wir sie nicht hinterfragen. Allzuoft verführt uns unsere Gehirn, Zusammenhänge zu sehen, wo keine sind. Vielleicht hat sich deswegen der Anglizismus Unconscious Bias durchgesetzt, er klingt irgendwie freundlicher als Vorurteile und verweist auf das Unbewusste, das ihnen innewohnt.

Die Erfahrung zeigt: Sozialisation besteht aus so vielen unterschiedlichen Aspekten, die miteinander und aufeinander wirken und dabei mit einem Individuum interagieren, dass einfache Kateogrien hier immer zu Fehlern führen. Es hilft wenig, vom Geschlecht, der Hautfarbe oder anderen äußeren Merkmalen auf die Kultur oder den Charakter der Person zu schließen. Was dann?

Kultur und interkulturelles Training

Was ist eigentlich Kultur? Wenn wir „interkulturell“ hören, denken wir an fremde Länder und Sitten. Dabei ist die Fremdheit oft schon unmittelbar in der Nachbarschaft: Wir reden ebenso von Unternehmenskultur oder Familienkulturen. Das Interkulturelle Training von gesprächswert/Sigi Lieb arbeitet mit diesem vielfältigen Kulturbegriff, der sowohl die Verschiedenheit im globalen Kontext einbezieht als auch die vielen kleinen Sozialisationsunterschiede, die Menschen eben mitbringen.

Diversity rocks: Trainieren Sie Ihre interkulturelle Kompetenz

Diverstiy rocks - interkulturelle Kommunikation trainieren

Das interkulturelle Training von gesprächswert richtet sich an alle, die in gemischten Teams mit vielfältigen Prägungen zusammenarbeiten. Diversity rocks. Aber sie muss auch geübt werden.

  • In dem Seminar lernen Sie Ihre eigene soziokulturelle Prägung besser kennen.
  • Sie entwickeln Techniken, Ihre eigenen unbewussten Regeln und Unconscious Bias bewusst zu machen und zu reflektieren.
  • Sie erfahren, wie unser Gehirn Vorurteile produziert, welchen Nutzen sie bringen und wie Sie schädliche Vorurteile abbauen können.
  • Außerdem bekommen Sie Techniken an die Hand, konstruktiv mit Missverständnissen in der Kommunikation umzugehen.
Diversity-Training. Ich möchte einen Gesprächstermin vereinbaren.

 

Interkulturelles Training - Vorurteile überwinden - Diversity leben

Alltagsdiskriminierung: 4 typische Beispiele

Versteckte Verknüpfungen verschiedener Kategorien gibt es überall in unserem Denken. Wo Korrelationen unbedacht zu Kausalitäten werden, führen sie zu Verzerrungen, Vourteilen, Diskriminierung und falschen Entscheidungen.

Bildung und Migration

In einem Teaser aus dem Spiegel steht „Deutschland verteilt Bildungschancen unbeirrt nach sozialer Herkunft, Einwandererkinder werden früh abgehängt. Nun plädiert der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf für eine Mindestquote von Studenten aus bildungsfernen Schichten“ (Artikel aus dem Jahr 2007, abgerufen am 30. Mai 2020).

Der Teaser stellt „Einwandererkinder“ und „Bildugnsferne“ unmittelbar nebeneinander und reproduziert damit ein gängiges Vorurteil. – Das ist schade, denn im Text selbst werden Bildungsferne und Migration bewusst unabhängig betrachtet. Der Beispieljunge Erkan aus dem Text ist Akademikerkind. Und Erkan hat dank Akademikereltern vermutlich mehr Chancen als Lisa, das andere Besipielkind im Artikel, deren Eltern bildungsfern sind und sozial abgehängt.

Tatsächlich legen Studien nahe, dass Erkan möglicherweise Vorurteilen seitens der pädagogischen Fachkräfte ausgesetzt ist. Aber dank engagierter und informierter Eltern schafft er es trotzdem. Vorurteile treffen auch Lisa, wenn sie ohne Schulmaterial und zu spät in den Unterricht kommt und sich zuhause niemand zu interessieren scheint.

Sozialisation und Migration

Eine andere problematische Kopplung ist die von Aussehen und Sozialisation. Allzu leichtfertig wird von der Hautfarbe oder der Augenform auf eine bestimmte Art von Sozialisation geschlossen. Wobei das in einer globalisierten Welt ziemlich absurd ist. Zu mobil sind Menschen und zu sehr überlagern sich unterschiedliche Wertkonzepte und Sozialisationsaspekte.

Statistisch ist ein Migrationshintergrund, wenn die betreffende Person oder ein Elternteil im Ausland geboren ist bzw. einen nicht-deutschen Pass hat. Das interessiert aber niemanden, so lange die betreffende Person einwandfreies Deutsch spricht und irgendwie mitteleuropäisch aussieht.

Umgekehrt wird Menschen mit dunkler Hautfarbe, orientalischem oder asiatischem Aussehen häufig unterstellt, sie seien anders sozialisiert und irgendwie fremd, ohne dass nach der Sozialisation gefragt wird. So hören Menschen, die nie irgendwo anders als in ihrer deutschen Stadt gelebt haben: Du kannst aber gut Deutsch. Oder: Wie ist das denn in deinem Land?

Umgekehrt haben auch Leute mit Migrationshintergrund Vorurteile und unterstellen manchmal vorschnell Diskriminierung. Etwa wenn die Frage nach der biografischen Wanderungsgeschichte: (Wo kommst du eigentlich her?) ausschließlich ausgrenzend oder diskriminierend verstanden wird. Tatsächlich handelt sich hierbei um eine Standardfrage im deutschen Smalltalk und Kennenlernprozess, egal, ob das Gegenüber blond ist oder dunkelhaarig.

Ganz traditionell fragen Leute hierzulande, ob jemand beispielsweise in Köln geboren ist oder zugezogen. Sie wollen wissen, ob jemand in Schwaben sozialisert, im Rheinland oder in Ostfriesland, in der ehemaligen DDR oder der BRD, auf dem Dorf oder in der Stadt. Diese Fragen bieten einerseits viele Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch  zu kommen.

Und ganz nebenbei liefern die Antworten Informationen, die zur Deutung herangezogenwerden, wie der Mensch einzuschätzen ist, der einem gegenübersteht. Wer je zwischen Deutschlands Regionen umgezogen ist, weiß, dass man einen Kulturschock erleiden kann, wenn man von Schwaben ins Rheinland zieht oder umgekehrt. Oder von Hamburg nach Berlin oder von Schwerin nach  Rosenheim. Vielleicht haben diese Fragen hier ihre Ursache.

Unsere Sozialisation und unsere Familiengeschichte prägen einen wesentlichen Teil unserer Identität. Manchmal ist es hilfreich zu erfahren, ob jemand Muttersprachler ist oder ob eine Person Deutsch erst später gelernt hat, um zum Beispiel Rücksicht zu nehmen. Die Auseinandersetzung mit der Frage „Wo kommst du eigentlich her?“ war Anlass für eine ganze Interviewreihe zum Thema Identität.

Gleichberechtigung: Männer, Frauen und Rollenzuschreibungen

Wenn es in Texten um Kindererziehung, Kinderwagen oder Teilzeit geht, überhaupt um das Thema Eltern sein, dann werden die Aufgaben häufig automatisch und ohne zu hinterfragen, nach Geschlecht zugewiesen oder unterstellt. Der Frau wird die Kinderbetreuung zugewiesen und die Teilzeitarbeit, dem Mann die Karriere. In Texten wird die Zuweisung oft nicht hinterfragt. Im wirklichen leben gerät unter Rechtfertigungsdruck, wer es anders macht.

Dabei ist das biologisch keineswegs eindeutig oder vorgegeben, wer sich besser um Kinder kümmern kann. In diesem Video geht Mai Thi Nguyen-Kim  der Frage auf den Grund: Was ist biologisch, was sozialisiert? Mit erstaunlichen Ergebnissen: Selbst unsere Hormone sind nicht so geschlechtsspezifisch, wie wir oft glauben. Sie passen sich mit unserem Verhalten an.

In einer Welt, die Diversity leben will, sollte es jedem Mann und jeder Frau und jeder Familie selbst überlassen sein, wie die Aufgaben aufgeteilt werden. Hier ist noch ein weiter Weg zu gehen, der auch von vielen Vorurteilen behindert wird.

Alterdiskriminierung: Ü45, die Digitalsiierung und der Arbeitsmarkt

Bisher noch weitgehend unter dem Radar läuft die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Offiziell darf es sie nicht geben. Und offiziell gibt es sie nicht. Faktisch wird Menschen Ü40 oder erst recht Ü50 allerhand unterstellt. Angeblich seien sie weniger fit im Digitalen, weniger anpassungsfähig und allerhand mehr.

Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass diejenigen, die einst Atari und Commodore auseinanderlegten und wieder zusammesetzten oder sich selbst Programmieren beibrachten, heute weitgehend Ü50 sind. Umgekehrt haben junge Menschen nur noch selten die Fähigkeit, Hardware selbstständig zu reparieren. Zu komplex und zu verbaut sind die modernen Geräte.

Und ebenso wie es digital sehr fitte Senior*innen gibt, gibt es Jugendliche, die kaum mehr als auf dem Handy daddeln können. Das Alter alleine ist also kein hinreichendes Kriterium für Digitalkompetenz.

Diversity-Training. Ich möchte einen Gesprächstermin vereinbaren.

Artikel und Seiten zu Diversity, Identität und kultureller Prägung

In der Blogkategorie Heimat und Idenität finden Sie 30 Interviews mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sowie deutschen Expats, die alle die gleichen 11 Fragen sehr unterschiedlich beantworten.

Aladin El-Mafaalani, Autor des Buches „Das Integrations-Paradox“, zu Gast in Köln. Eine kritische Würdigung seiner Thesen.

Lösungen für kultur- und gendersensible Sprache finden Sie auf dieser Webseite.

Das sagen Teilnehmer*innen meiner Trainings

Der Workshop von Sigi Lieb bringt mit einfachen, aber effizienten Mitteln die eigenen Denkmuster ins Schwingen. Der konzentrierte Austausch in kleiner Runde ist auch anstrengend, macht aber gerade deshalb Mut, die Begegnung mit dem (zunächst) fremden Gegenüber im interkulturellen Ehrenamt als stets produktive Herausforderung zu gestalten.

Dr. Roberto di Bella

"Das Seminar war eine Reise durch einen Ozean von Informationen, Aspekten, Impulsen und Fragen. Das Fazit lautet: Es gibt keine Patentrezepte. Man muss viel fragen und überlegen."

Joachim Steinigeweg

Vielen herzlichen Dank für Deinen tollen, interessanten, hoch informativen und unterhaltsamen Fortbildungsvortrag am Samstag den 29. Okt. Er war sehr umfassend, effizient, mit vielen praxisrelevanten und interessanten Beispielen aus dem Berufsalltag. Ich habe sehr viele positive Anregungen und neue Erfahrungen sammeln und mitnehmen können und werde hoffentlich das eine oder das andere Beispiel bei meinem Kultur- und Geschichtsunterricht anwenden können. Auch die lebhaften Diskussionen und die vielen Fragen im Anschluss zeigen, auf wie viel Interesse und Relevanz das Workshop-Thema zurzeit stößt. Dank auch für die tolle Verpflegung bzw. leckeren Imbiss und ich werde mit Sicherheit die Fortbildung an alle Kollegen und Kolleginnen weiterempfehlen. In diesem Sinne freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit und gemeinsames Gestalten in der Zukunft, für eine sichere, friedliche, gerechte, menschliche und tolerante Welt.

Danke noch für das tolle Seminar, ich habe sehr viel mitnehmen können und werde auch am 19.11 wieder teilnehmen.‎

Stavroula Gargani

"Das war genau die richtige Mischung aus Wissen, Anregung und Austausch. Am nachhaltigsten beeindruckt haben mich die vielen Aha-Effekte - großartig für meine ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe."

Biggi Mestmäcker

"Der Workshop von Sigi Lieb hat mir eindrücklich klargemacht, wie wichtig es ist, Stereotype immer wieder zu hinterfragen. Und dass bei allen Missverständnissen nur eins wirklich hilft: Fragen, fragen, fragen und ins Gespräch kommen!"

"Vielen Dank nochmal für den Workshop, der mir sehr gut gefallen hat und mir weiterhilft im Hinblick auf das Ehrenamt."

Georg Kölzer

"Ich habe den Workshop als sehr bereichernd erlebt, vor allem durch die praktischen Übungen bekam man ansatzweise eine Ahnung, wie schnell Missverständnisse sich 'verbreiten'."

Marlene Klement